Warum Multitasking nicht funktioniert

20 Jul 2009 by Stefan Wabner, 2 Comments »

multitask Photo: Señor Maniac Multitasking


Emails beantworten, telefonieren und nebenbei die Hemden bügeln. Wer alles gleichzeitig versucht, spart keine Zeit. Er verliert sie. Lange wurde angenommen, dass Menschen, die mehrere Dinge gleichzeitig tun, einen Vorteil allen anderen gegenüber haben. Wer bei einer wichtigen Arbeit unterbrochen wird um „schnell“ noch etwas anderes zu erledigen, beginnt später oft die selbe Aufgabe wieder von vorn. Das nervt. Es braucht seine Zeit um wieder 100% bei der Sache zu sein. Das Paradoxe ist, dass beim Multitasking freiwillig auf diese Störung zurückgegriffen wird.Je mehr Dinge parallel laufen, desto mehr Zeit wird für jede einzelne Aufgabe benötigt. Denn genau diese „Einrichtungszeit“ fällt für jede Aufgabe an, bei jedem Wechsel. Neben der verlorenen Zeit schleicht sich eine höhere Fehlerquote ein. Multitasking ist somit die ineffizienteste Methode Dinge zu erledigen. Selbst Computer können streng genommen nicht mehrere Aufgaben gleichzeitig abarbeiten. Sie können sich immer nur mit einer Aufgabe beschäftigen. Da sehr schnell zwischen den Aufgaben gewechselt wird, entsteht der Eindruck von Gleichzeitigkeit. Wie bei einem Film, wo durch das Aneinanderreihen von Bildern die Illusion einer Bewegung entsteht. Die sicherste Methode einen Computer zum Abstürzen zu bringen, ist so viele Programme wie möglich gleichzeitig zu starten. Unser Gehirn reagiert in diesem Fall ähnlich. Viele Zeitfresser sind selbst verschuldet, weil man es sich und anderen zu einfach macht sich von der eigentlichen Aufgabe ablenken zu lassen. Skype, Mailprogramm und Twitter für den Moment der Arbeit in weite Ferne zu schieben, ist auf jeden Fall ein Anfang. Noch wichtiger ist es sich auf das Beenden der Aufgabe zu konzentrieren. Es hilf ungemein sich ein festes Zeitfenster zu setzten und die Arbeit danach zu beenden. Dadurch schafft man sich künstlichen Druck, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Störungen weniger zu tolerieren. Nach dem Parkinsonschen Gesetz dehnt sich Arbeit so lange aus, wie für deren Erledigung zur Verfügung steht und nicht, wie komplex die Aufgabe ist. Mit einem klaren Ziel springt man weniger von Thema zu Thema. Es ist zu einfach sich in den Weiten des Netzes zu verlieren. Nach der erledigten Aufgabe kann man sich der nächsten Arbeit widmen oder sich mit Skype und Co belohnen. Pausen gehören immer dazu. Ich mach auch gleich eine.

Hier noch schnell die Kurzversion zum merken: Aufgabe definieren, Zeitfenster festlegen, erledigen.

Zusatztipp: Ist die Aufgabe zu groß, teilt man sie in handliche Stücke, bis sie überschaubar wird.

Angeregt wurde dieser Artikel von Judith. Danke.

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2 Comments

  1. Stefan sagt:

    Im Bezug auf die Computer muß ich teilweise widersprechen: Mehrere parallel laufende (Teil)prozesse können einen Rechner effizienter nutzen (und damit in Summe schneller sein). Beispielsweise kann durchaus die Anzeige am Bildschirm aktualisiert werden, während noch auf die Festplatte gewartet wird.
    Witzigerweise arbeiten die Rechner intern typischerweise so ähnlich, wie man sich seine Arbeit organisieren sollte: Mit festen Zeitabschnitten – eine solche Zeitspanne darf ein Programm arbeiten… dann wird gewechselt (es sei denn, dem Programm geht vorher die Arbeit aus). Und genau wie beim Mensch ist der Kontextwechsel “teuer”/anstrengend. Allerdings dürfen die Zeitabschnitte beim Computer trotzdem deutlich kürzer sein ;-)

  2. Schoschie sagt:

    Er hat ja auch nicht behauptet, dass Multitasking beim Computer keine tatsächlichen (Geschwindigkeits)vorteile hätte. Nur, dass sie nicht tatsächlich mehrere Dinge gleichzeitig »tun«. Was übrigens bei Mehrkern/Mehrprozessor-Systemen nicht mal stimmt :)

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