Erfahrungsbericht: Wie man seine Lesegeschwindigkeit verbessert / verdoppelt

2 Uhren

Schneller lesen und mehr verstehen. Photo: billaday

—– Update —–

Dieser Artikel ist ein Erfahrungsbericht von meinem Improved Reading Kurs. Wer seine Lesegeschwindigkeit sofort verbessern will, liest am besten den Artikel mit detaillierter Anleitung:

Wie man seine Lesegeschwindigkeit in 20 Minuten entscheidend verbessert

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In der Schule lernen wir zuerst das ABC. Danach werden die Buchstaben aneinandergereiht und ergeben Silben und Worte, welchen wir Bedeutungen zuordnen. So tasten sich Kinder Wort für Wort vor, um Texte zu erfassen.

Die meisten Erwachsenen, wie ich auch, sind über diese ‚Wort für Wort’- Leseweise, nicht hinausgekommen. Sie ist wichtig um das Lesen zu lernen aber ineffizient, was zeitlichen Aufwand und Leseverständnis anbelangt. Beim normalen Lesen wird das Gehirn zu nur ca. 25% beansprucht. Was dazu führt, dass der Rest unausgelastet ist und sich eine neue Beschäftigung sucht. Dies führt zu Tagträumerrein oder dem Schreiben von virtuellen ‚to do’- Listen. Und eh man es sich versieht, hat man eine komplette Seite gelesen, ohne etwas vom Inhalt aufgenommen zu haben.

Häufigste Fehler

Es gibt mehrere Faktoren, die das Lesen verlangsamen und das Verständnis verschlechtern. Die drei häufigsten Lesefehler sind:

  • Subvokalisieren – das unterschwellige Mitsprechen des Textes
  • Regression – das Zurückspringen im Text
  • Ein zu enger Blickfokus – Konzentration auf nur ein Wort oder Silbe

Um diese Fehler zu minimieren und mir eine neue Lesetechnik anzueignen, haben ich an einem zweitägigen ‚Improved Reading’- Kurs teilgenommen. Mehr zum Thema effektives Lernen findet Ihr im Artikel: Effektives Lernen „on demand“

Improved Reading Kurs Tag 1

Kurszeit 10:00-18:00 Uhr mit angemessenen Pausen

Die Teilnehmerzahl war auf 12 Personen beschränkt und bestand zu 90% aus Zivildienstleistenden, die im Rahmen ihres Dienstes ein Bildungsgeld von 665 Euro für diverse Kurse einsetzen können.

Nach dem das Prinzip des Kurses erklärt wurde, ging es gleich mit einem ersten Verständnistest los. Der war so aufgebaut, dass ein Text von ca. zwei A4 Seiten gelesen und dabei die Zeit gestoppt wurde. Anschließend mussten zum Text 10 Multiple Choice Fragen beantwortet werden. Hiermit wurde überprüft, wie viel vom Inhalt verstanden wurde.

Das durchschnittliche Lesetempo lieg in Deutschland bei 200 WpM (Wörter pro Minute) bei einem Leseverständnis von 55%.

Daraus ergibt sich eine ERR (Effective Reading Rate) von 110 welche sich folgendermaßen berechnet: 200 WpM x 55% Verständnis =110 ERR

Mein Einstiegsergebnis der Effective Reading Rate lag mit 234 WpM und einem Textverständnis von 70% (7 von 10 Fragen richtig beantwortet) bei 164 (234×0,70=164)

Auf einer Leseentfernung von ca. 40 cm kann das Auge einen Bereich von 3 bis 3,5 cm scharf erfassen. Das bedeutet, dass in einem normalen Buch pro Zeile 3 Fokussierungen ausreichen, um die komplette Zeile zu erfassen. Es wird dabei in sogenannten Sinngruppen gelesen.

Nehmen wir die Wortgruppe:

zusammen

Beim herkömmlichen Lesen wird jedes Wort einzeln fixiert.

obwohl der Sinn auch mit einer Fixierung verständlich wird.

zusammen

Für eine Fixierung benötigt das Auge ¼ Sekunde. Hat eine Zeile 9 Wörter kann man diese also mit 3 anstatt 9 Fixierungen erfassen und spart pro Zeile 1,5 Sekunden. Bei einem Taschenbuch von ca. 200 Seiten ergibt das eine Zeitersparnis von 2,5 Stunden.

Spätestens jetzt kommt der Einwand, dass unter dieser Geschwindigkeit das Verständnis leidet. Das Gegenteil ist der Fall. Durch schnelles Lesen ist man konzentrierter bei der Sache und schweift nicht ab. Da alle Ressourcen des Gehirns mit dem Aufnehmen von Informationen beschäftigt sind, bleibt mehr vom Inhalt des Textes hängen.

Am ersten Tag ging es nur um Geschwindigkeit. Diese wurde mit verschiedenen Übungen trainiert. Das Auge wurde dahingehend konditioniert, mit 3 Fixationen pro Zeile auszukommen. Dabei kam auch ein „Rate Controller“ zum Einsatz, welcher die oberen Zeilen kontinuierlich abdeckt, so dass man gezwungen ist, zügig die nächste Zeile anzupeilen.  Dabei geht es nur um die Geschwindigkeit der Augenbewegungen, nicht um Verständnis. Siehe Video:

Zwischen den verschiedenen Augenübungen wurden Verständnisteste durchgeführt und die Konzepte erklärt.

Improved Reading Kurs Tag 2

Kurszeit 10:00-18:30 Uhr mit angemessenen Pausen

Nach dem Geschwindigkeitsdrill am ersten Tag ging es nun mehr um das Verständnis. Die Übungen vom ersten Tag wurden wiederholt und anspruchsvoller gestaltet.

Zusätzlich wurden Richtlinien zur Anpassung der Lesegeschwindigkeit vorgestellt.

  • Wort für Wort Korrekturlesen, Gedichte
  • 300-600 WpM Fach- und Sachtexte mit neuen Gedanken zu bekannten Themen wie z.B. auch dieser Blog können in dieser Geschwindigkeit gelesen werden.
  • 500-800 WpM Für leichte Freizeitlektüre, Newsletter oder Zeitungsartikel reicht dieser Wert.
  • 600-1.000 WpM Das sogenanntes „Skimming“ (Überfliegen) soll einen Überblick über den Text vor dem sorgfältigem Lesen geben. Wichtige Gedanken werden so wiederholt und prägen sich schneller ein. Wenn nur der Hauptgedanke zu einem Text benötigt wird kann diese Technik auch angewandt werden.
  • ? 2000 WpM Das „Scanning“ ist eine Technik , welche angewendet wird, wenn spezifische Fragen und Daten aus dem Text entnommen werden müssen. Man sucht nach den Schlagworten und liest dort weiter, wo die gewünschte Information vermutet wird.

Nach weitern Übungen wurde ein Abschlusstest absolviert. Hier sind alle meine Ergebnisse von Einstiegs-, Zwischen und Abschlusstest:

Test Wörter pro Minute Verständnis in % Effektive Reading Rate 

(WpM x Verständnis)

Einstiegstest 234 70 164
Zwischentest 408 60 245
Zwischentest 406 70 284
Zwischentest 425 60 235
Zwischentest 616 30 185
Zwischentest 368 40 187
Zwischentest 424 70 296
Ausgangstest 408 90 367

 

Buch-schneller-lesen-besser-verstehen-294

Fazit: Der Kurs hat mir eine messbare Verbesserung der Leseleistung verschafft. Ich konnte meine Lesegeschwindigkeit verdoppeln. Wer die 450 Euro (360 für Studenten und Zivis) nicht scheut, hat ein gutes Handwerkszeug, welches sich auf lange Sicht auszahlt. Alle Kursteilnehmer können kostenfrei an Auffrischungskursen teilnehmen, um die erreichte Leistung zu halten.

Speed- oder Improved Reading erfordert viel Konzentration. Deswegen sind Pausen wichtig. Der Kurs gibt alle nötigen Informationen, um eine geeignete Lesebedingungen zu schaffen.

Wer Speedreading im Selbststudium versuchen möchte, dem empfehle ich das Buch „Schneller Lesen – besser verstehen“ (8,95 Euro) von Wolfgang Schmitz.

 

iPhone App: Wer mit dem iPhone trainieren möchte, dem empfehle ich die App Schneller Lesen für iPhone. (2,39 Euro) Die Andwendung bietet verschiedenen Übungen an, welche die periphere Sicht erweitern und die Leseleistung auf Geschindigkeit trimmen.

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11 Replies to Erfahrungsbericht: Wie man seine Lesegeschwindigkeit verbessert / verdoppelt

  1. CharLi sagt:

    Hallo Stefan, lese mich erst neuerdings durch deine SEHR interessanten Seiten und bin noch nicht weit gekommen. In Bezug auf diesen Artikel muss ich aber nöhlen, dass hier scheinbar die Geschwindigkeit die Rechtschreibprüfung überholt hat (Tests statt „Teste“, Multiple Choice statt „Choise“, vor dem sorgfältigen Lesen statt „vor dem Sorgfältigem Lesen“ etc.).
    Hoffentlich (und statistisch sehr wahrscheinlich) habe ich in diesem Kurzgekeife auch Fehler gemacht, aber der Punkt ist, dass Geschwindigkeit zwar begrüßenswert ist (sonst hätte ich den Text nicht so eifrig gelesen), aber ihren Preis hat.

  2. @ CharLi In der Tat verstecke ich immer ein Paar Fehler :) Es ist so verhext mit den eigenen Texten. Es wird erst offensichtlich wenn man darauf hingewiesen wird. Vielen Dank für die Korrektur.

  3. My english is not very good. Could u give me link to some translator? I desire to be allowed to learn this so mucho .

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