Wie man Kritik äußert ohne Gefühle zu verletzen

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In vielen sozialen Situationen, privat oder geschäftlich, setzen wir uns mit Menschen auseinander, deren Meinung wir nicht immer teilen können. Das muss auch nicht sein. Schwierig wird es natürlich, wenn die Situation es verlangt, die Kritik dem Gegenüber nahe zu bringen. Im Artikel „Warum es manchmal OK ist andere anzupissen“ geht es darum, seine Meinung  zu vertreten und wie man dabei auch mal anecken kann.

Der Ton macht immer die Musik. Es ist niemandem geholfen, wenn eine Sache ausgesprochen ist, sich aber der Gesprächspartner persönlich verletzt fühlt. Das ist besonders wichtig im Umgang mit Kunden und (Geschäfts)Partnern. Glücklicherweise gibt es elegante Wege, die bedenklichen Punkte anzusprechen und gleichzeitig die gute persönliche Beziehung aufrecht zu erhalten.

Emotionale und Sachebene trennen

Das Grundkonzept klingt einfach und ist schwer umzusetzen. Nur wem es gelingt, die Kritik an der Sachen von der Kritik an der Person zu trennen, kann ein heikles Thema konstruktiv besprechen. Getreu dem ‚Harvard Konzept’, welches ich in einem der nächsten Post besprechen werde, gilt der Grundsatz “Hart in der Sache, weich im Umgang“. Es bringt nichts eine Auseinandersetzung oberflächlich gewonnnen zu haben wenn dadurch die persönliche Beziehung nachhaltig geschädigt wird. Die folgenden Grundsätze helfen, diese beiden Seiten in Einklang zu bringen.

Ich-Botschaften formulieren. Ich Botschaften geben eine Aussage über die eigenen Gefühle, Ziele und Bedürfnisse. Niemand kann gegen die eigenen Gefühle argumentieren. Eine Ich–Botschaft besteht aus drei Komponenten:

Die Sache beschreiben ohne sie zu bewerten:

„Die Präsentationsmappe ist unvollständig.“

Die eigenen Gefühlte beschreiben, welche das Ereignis ausgelöst hat:

„Das ärgert mich sehr…

Die möglichen Konsequenzen oder Wünsche nennen:

… da sich jetzt die Bewerbung verzögert.“ oder „Ich möchte das Projekt bis Übermorgen abschließen. Bitte korrigiere die fehlenden Komponenten.“

Achtung: Wörter wie „ständig“, „immer“ und „nie“ geben eine pauschalisierte Wertung ab und provozieren ein Verteidigungsverhalten. Nicht jeder Satz mit „Ich“ ist eine Ich-Botschaft. „Ich finde, Du solltest das und das nicht machen.“ ist eine verkleidete Du-Botschaft. Auch sollte man sich hüten, Drohungen Ratschläge, Vorhaltungen oder Unterstellungen zu benutzen.

Nicht zu lange warten Einen idealen Zeitpunkt gibt es nicht. Es ist von Vorteil, Kritik zeitnah zu äußern. Das hat zwei Vorteile: Der Angesprochene kann sich besser an die Situation erinnern und man selber trägt nicht die Anspannung des Unausgesprochen mit sich herum. Spontane unmittelbare Reaktionen sollten vermieden werden,  gerade wenn die Stimmung emotional aufgeheizt ist. Dies verleitet zu Anschuldigungen und eröffnet den Kampf.

Flexible Lösung anbieten Kritisieren fällt leicht. Deswegen ist es gut, wenn man selber eine flexible Lösung parat hat, die für beide Seiten machbar ist.

„Das Frontbild für die Präsentationsmappe gefällt mir nicht. Ich finde das mit dem grünen Hintergrund besser!“

Gesicht waren lassen Kritik zu empfangen ist unangenehm. Auf Fehler vor der versammelten Mannschaft hingewiesen zu werden, gibt allen ein ungutes Gefühl. Teilt Eure Kritikpunkte nach Möglichkeit unter vier Augen mit und lasst dem Gesprächspartner die Möglichkeit, sein Gesicht zu wahren.

Achtung: Nur weil man die oben genannten Punkte beachtet, heißt dies noch lange nicht, dass der Gesprächspartner die Dinge erfüllt um die man Ihn bittet. Es hilft aber die Situation zu deeskalieren.

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Foto: plasmastik