3VIEW – die drei Filmtipps der Woche
[ Hanna · Essential Killing · Team America ]

3VIEW - die drei Filmtipps der Woche
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Ich bin Rocco, 29, Cineast. In dieser Rubrik werde ich Filme empfehlen. Keinen Mist. Tolle Filme. Einzigartige Filme. Filme, für die es sich lohnt, Zeit und Geld zu investieren. Filme, die im Gedächtnis bleiben, die sich tief ins Herz eingraben. Filme, die herausfordern, die an die Grenzen gehen, Grenzen überschreiten. Ich wiederhole: keinen Mist. Zeit ist zu kostbar, um sie für Industrieabfall zu verschwenden. Die Auswahl werde ich knapp halten: Ein aktueller Kino-, ein frischer Heimkino- und ein zeitloser Geheimtipp pro Woche. Stets höchst subjektiv, oft aus dem Bauch heraus. Könnt ihr zustimmen, müsst ihr nicht. Lobt, tadelt, kommentiert und diskutiert. Ich freue mich auf euer Feedback und wünsche eine spannende Entdeckungsreise.

 

Kinotipp: Wer ist Hanna?

Originaltitel: Hanna
Land / Jahr / Länge: USA, Deutschland, Großbritannien / 2011 / 111 Minuten
Regie: Joe Wright
Darsteller: Saoirse Ronan, Eric Bana, Cate Blanchett, Tom Hollander, Olivia Williams, Jason Flemyng

Was macht großartiges Kino aus? Eine emotionale Geschichte? Eine originelle Inszenierung? Eine perfekte Kamera? Ein genialer Soundtrack? Beeindruckende schauspielerische Leistungen? Einprägsame Schauplätze? Ausgeklügelte Actionszenen? Eine dichte Atmosphäre? Hanna beantwortet all diese Fragen mit einem klaren JA. Denn Hanna ist ein Meisterwerk. Ein Film, wie es ihn nur sehr selten im Kino gibt. Ein Erlebnis, das schon auf erschütternd leichtfüßige Weise aufzeigt, was andere Filme alles falsch machen. Hanna ist zeitlos, ignoriert jeden Trend, kreiert nebenbei einfach mal ein eigenes Genre, den Märchenthriller, beeindruckt immer wieder mit Charakteren und Ideen, die sich absolut gegen den Strich gebürstet genau deshalb in das Langzeitgedächtnis einbrennen. Hanna braucht kein CGI-Gewitter, Hanna lässt sich gern Zeit für ruhige aber unendlich schöne Szenen, Hanna zelebriert Sinneswahrnehmungen, schwelgt in Geräuschen und Stimmungen. Allein der Soundtrack der Chemical Brothers ist zum Niederknien (*Redakteur nimmt sich die Zeit, um kurz über den Daft Punk Score für Tron Legacy zu lachen). Die Darsteller sind unvergesslich gut. Und verdammt, das Ding spielt zum großen Teil in Berlin, im richtigen Berlin. Keine Touri-Schauwert-Scheiße. Dreckige U-Bahn-Tunnel, Multikulti-Internetcafés, Plattenbausiedlungen. Aber dennoch glaubt man immer wieder, sich in einer Parallelwelt zu befinden, in einem Märchen voller Hexen, Wölfe, Helden und Zuckerhäuser. Und man schweigt und schwelgt und folgt einem charismatischen Rotkäppchen stets auf Augenhöhe und entdeckt mit ihr die eigene Welt. Durch und durch großartiges Kino. Aber wer ist nun diese Hanna eigentlich? Geht unbedingt ins Kino und seht selbst.

Trailer:

 

Heimkinotipp: Essential Killing

Land / Jahr / Länge: Polen, Norwegen, Irland, Ungarn / 2010 / 83 Minuten
Regie: Jerzy Skolimowsk
Darsteller: Vincent Gallo, Emmanuelle Seigner, David L. Price, Klaudia Kaca

Und noch ein Meisterwerk. Ein nihilistischer, wortkarger Monolith, der traurigerweise bei uns nie ins Kino kam. Vincent Gallo verkörpert auf atemberaubende Weise einen vermeintlichen Taliban (wir vermuten), der durch ungünstige Umstände erst in ein brutales Gefangenenlager gesteckt wird und dann durch günstige Umstände die Freiheit inmitten verschneiter Wildnis erlangt. Von diesem Moment an gibt es nur noch ein Ziel: Überleben. Ort, Zeit und Namen spielen dabei keine Rolle, werden auch nie erwähnt. Dialog gibt es kaum. Der Protagonist selbst kämpft sich, ohne ein einiziges Wort zu sprechen, durch die wunderschöne, jedoch menschenfeindliche Natur. Dabei sind die Jäger dem völlig verängstigtem Mann immer dicht auf den Fersen. Kälte, Nässe und Hunger tun ihr Übriges, um diesen Getriebenen immer wieder an seine Grenzen und oft auch darüber hinaus zu führen. Rationale Entscheidungen weichen instinktivem Überlebenswillen. Es muss getötet werden. Nicht aus Boshaftigkeit, nicht aus Gier. Das macht einige Szenen umso härter, den Film umso intensiver. Rau und eisig wie das Setting ist er. Doch auch genauso atemberaubend und fesselnd. Wieder sind Sounddesign und Musik grandios, stets sparsam eingesetzt und dann umso kraftvoller. Und Gallo! Was für eine Leistung. Er spielt nicht. Er ist. Er leidet. Er kämpft. Und dieses Mal ist es kein Märchen, dem wir folgen. Trotz schöner Traumsequenzen und verklärten Rückblenden, trotz surraler Momente und teils prätentiöser Bilder. Das hier ist die brutale Realität. Ein Happy End ist unvorstellbar. Gut so. Ansehen!

Trailer:

 

Geheimtipp: Team America

Originaltitel: Team America: World Police
Land / Jahr / Länge: USA / 2004 / 98 Minuten
Regie: Trey Parker
Stimmen: Trey Parker, Matt Stone, Kristen Miller, Masasa Moyo, Daran Norris, Phil Hendrie

Vielleicht kein wirklicher Geheimtipp. Aber meine Lieblingskomödie. Darum hat sie hier einen Platz verdient. Und da wir schon mit Hanna durch die arabische Welt reisen und in Essential Killing einem Taliban (wir vermuten) folgen, kann man Team America (Amazon) sogar als thematische Fortführung betrachten. Wieder spielt der Nahe Osten eine zentrale Rolle und dank der USA wissen wir, dass die vollbärtigen Männer dort grundsätzlich auch alle Terroristen sind. Aber wir können beruhigt sein. Denn das Team America – eine heroische US Spezialeinheit – beschützt die Welt vor dieser permanenten Gefahr. Dabei sind die Einsatzideen immer möglichst abwegig und der Kollateralschaden möglichst hoch. Zum Inhalt möchte ich eigentlich gar nichts schreiben. Zu zahllos sind die großartigen Ideen, die unendlichen Anspielungen und Referenzen, die politisch völlig inkorrekten und alle Parteien und Haltungen geradezu plattwälzenden Gags. Zu genial ist auch die Inszenierung, von der Idee, die Geschichte als Puppenspiel zu erzählen, bis hin zum fantastischen Soundtrack (das 3VIEW der tollen Filmmusiken). Meine South-Park-Helden Trey Parker und Matt Stone haben mit diesem Film schlicht ihr Meisterstück geschaffen. Es vergeht wirklich keine Minute ohne einen wenigstens mittelgenialen Einfall. Hoch politisch, extrem gesellschaftskritisch, immer intelligent und trotzdem dauergaga. Mehr ist einfach nicht in anderthalb Stunden zu packen. Dabei sind Komödien oft erst unterhalb der Gürtellinie richtig gut. Und Team America führt uns weit, weit in die Tiefe. Dahin, wo der Humor richtig dunkel und Sexszenen richtig dreckig sind. Am Ende tauchen wir mit schmerzendem Bauch und Tränen in den Augen auf, heben die Faust gen Himmel und rufen zufrieden: “America, fuck yeah!”

Ausschnitt:

 

Entschuldigt, dieses 3VIEW hat leider wieder etwas länger gedauert, da ich mir Hanna erst gestern im Kino anschauen konnte (hiermit sei noch einmal freundlichst der versammelten Film-PR gewunken). Ich versuche, in Zukunft wieder den Mittwoch als Stichtag einzuhalten. Aber eines steht fest: Keine Woche ohne 3VIEW. Deshalb: Danke für eure Geduld. Ich freu mich auf die Zukunft und hoffe, ihr bleibt im Boot und ladet weitere Passagiere ein. Ich wünsche bessere Unterhaltung. Bis nächsten Mittwoch, danke für die Aufmerksamkeit, euer 3VIEWer Rocco.

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One Reply to 3VIEW – die drei Filmtipps der Woche
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  1. Auf die ersten beiden Tipps bin ich sowas von gespannt! Das klingt wild und ergreifend.

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