„Du“ oder „Sie“, so duzt man richtig

28 Mai 2009 by Stefan Wabner, 8 Comments »

handshake

Photo: Orin Optiglot Handschlag


Es gibt Situationen, in denen ist es eindeutig richtig ist, das „Sie“ zu benutzen. Wenn ihr z.B. wieder mal betrunken mit dem Auto bei rot über die Ampel gefahren seit, ist ein „Herr Wachmeister, deswegen musst Du mir doch keinen Strafzettel verpassen!“ nicht die optimale Lösung. Andere Begebenheiten erfordern eindeutig das „Du“. Ich erinnere nur an das Mädchen, das neulich im Club gefragt hat: „Haben Sie mal Feuer…?“. Aber um all diese Geschichten soll es in diesem Artikel nicht gehen. Vielmehr um das unsicheres Gefühl nicht zu wissen, ob man lieber siezt oder duzt. Der Versuch die Wörter zu vermeiden, welche eindeutig die Richtung festlegen, führt meist zu einer holprigen Konversation. Deswegen soll nun Schluss sein mit dem Herumgeeiere. Aber welches Vorgehen ist nun am besten?
Schauen wir uns erst einmal die Vor- und Nachteile beider Varianten an.

Pro Du

Ein einfaches „Du“ ist informell und weniger distanziert. Es lässt beide Gesprächspartner auf Augenhöhe erscheinen und überbrückt Hierarchien. Ich persönlich unterhalte mich auch geschäftlich gern via „Du“, denn das Siezen verkommt schnell zu einer hölzernen Kommunikation. Gerade, wenn es eigentlich locker zugeht, ist für alle Beteiligten es unangenehm, wenn niemand den Durchbruch zum „Du“ schafft.

Pro Sie

„Sie“ drückt nicht nur Höflichkeit sondern auch Distanz aus. Es ist manchmal vonnöten, wenn man genau dies erreichen will. Sollen z.B. klare Rangfolgen beachtet werden, kommt man als „Ranghöherer“ oder als „Gegenspieler“ mit einem „Sie“ besser zurecht, denn Anweisungen oder unangenehme Gespräche gehen mit etwas Distanz besser von den Lippen. Ein „Du“ würde hier die Grenzen verwischen und in falscher Kumpanei ausarten. Es heißt ja immer noch korrekt: „Sie Arschloch“.☺

So duzt man

Zu siezen ist in jedem Fall immer leichter, da es sich um das höfliche Annähern handelt und im Zweifelsfall immer richtig ist. Ich möchte hier die Lanze für das „Du“ brechen, weil ich einen lockeren und unkomplizierten Umgang bevorzuge. Nur in den seltensten Fällen geht es meinem Gegenüber anders. Ihr habt bestimmt schon gemerkt, wie ich euch Leser anspreche – bis jetzt kamen noch keine Beschwerden.
Wenn ich mir nicht sicher bin, ob mein Gesprächspartner geduzt werden möchte, frage ich gleich innerhalb der ersten Sätze: „Sag ich Du? Sag ich Sie?“ Meist kommt ein kurzes Lächeln und der Gegenüber sagt „Du“ und stellt sich mit seinem Vornamen vor. Probiert es aus, es ist nur die ersten drei Mal komisch, danach ist man froh das Eis gebrochen zu haben. Um so länger damit gewartet wird, umso schwieriger ist es, also am besten gleich am Anfang fragen.
Hat man mit dem Siezen begonnen, kann trotzdem jederzeit nach dem Du gefragt werden. Auch hier wird es schwieriger, je länger man wartet. Ein Trick ist auch, sich gleich nur mit dem Vornamen vorzustellen. Damit öffnet man die Tür. Stellt sich der Gesprächspartner auch mit dem Vornamen vor, kann geduzt werden. Diese Vorgehensweisen können natürlich auch am Telefon genutzt werden.

Wie sind eure Erfahrungen zum Thema? Sagt Ihr lieber „Du“ oder „Sie“ und welche Einleitungen benutzt ihr am liebsten?

Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Änliche Artikel:

8 Comments

  1. Der Dicke sagt:

    Naja das Beispiel mit “Haben Sie mal Feuer!” von der jungen Dame kann ja auch ganz bewust eingesetzt gewesen sein. Wollte sie so vielleicht zum Ausdruck bringen, dass sie wirklich NUR Feuer wollte. Die Distanz ist damit auf alle Fälle gewahrt.

    Um auf Deine Frage zurück zu kommen: Ich bin jetzt ein gerne Duzer (war früher anders), wobei in beruflichen Situationen gegenüber unterstellten Kolleginnen und Kollegen immer das Sie angebracht ist. Bei Kunden natürlich auch, es sei denn der Kunde bietet es an.

  2. admin sagt:

    Im Falle der Disco habe ich eher etwas älter gewirkt als der Durchschnitt. Wenn mit jetzt noch jemand in der Bahn nen Sitzplatz anbietet, dann komm ich in die Krise :)

  3. erik sagt:

    Hallo zusammen,

    ein eindeutiges Ja zum Du. Eigentlich ist das ja nur noch in der deutschen Sprache durchgängig üblich, sich zu siezen. Alle anderen, die ich kenne, beschränken das Sie auf höchst formelle Angelegenheiten. Ansonsten wird geduzt. Besonders schön finde ich diese Sitte auf Cuba, der Heimat meiner Frau. Dort reden sich alle mit Du und Vornamen an. Selbst die höchsten Würdenträger werden so angesprochen. Du hast vollkommen recht. Dadurch gerät man mit ihnen auf Augenhöhe. Dort ist das durchaus auch üblich zu sagen: “Dafür musst Du mir doch keinen Strafzettel geben.” ;)

    Liebe Grüße

    Erik

  4. admin sagt:

    Coole Sache! Den Kubanern sagt man eh einen etwas lockeren Umgang als den Deutschen nach. Eine schöne Vorstellung den Polizisten zu duzen :)

  5. Ich finde es sehr interessant, dass die Schweden sich überwiegend dutzen, außer bei Geschäftsbriefen, wo man sich noch nicht kennt, obwohl die Sprache das Sie kennt. Frage mich, ob sich das geschichtlich sozial MPso entwickelt hat, das Sie in den Hintergrund getreten ist.

  6. TravisB sagt:

    Siezen nur in der deutschen Sprache üblich?
    Was ist denn mit der englischen Sprache? Hier verwendet man ja die ursprüngliche Höflichkeitsform auch in der 2 Person Singular. Wie kann der andere hier eigentlich erkennen ob er gerade geduzt oder eben mit “ihr” angesprochen wird?

    @ Alexander Trinkl: In Schweden gab es eine “Du-Reform”
    Quelle: wikipedia

  7. Kerstin sagt:

    Also ich finde, dass man auf jedenfall das Sie benutzen sollte, wenn man jemanden nicht kennt, oder nicht das Du angeboten bekommt. Außer jemand is gleichaltrig. Die Schwester meines Freundes, oder die Cousine einer Freundin, würde ich niemals Siezen. Aber Arbeitskollegen oder Vorgesetzte schon. Mir fällt es auch schwer, das Sie abzulegen, selbst wenn mir jemand das DU angeboten hat. Ist eben die Gewohnheit, aber mit der Zeit krieg ich das hin. Ich bin so erzogen worden, es ist ein höflich. Man duzt auch keine älteren Menschen… oô Das gehört sich nicht.

  8. admin sagt:

    Danke für Deinen Kommentar. Es spiegelt auch in etwas meinen Erziehungshintergrund betreffend des Duzen s wieder. Manchmal wird die Höflichkeit etwas falsch verstanden. Deswegen tendiere ich lieber mehr zum Du.

Leave a Reply

Follow Me!

Follow Me! Follow Me! Follow Me! Follow Me!